Perplex oder perfide?

Perplex oder perfide?

Da haben wir, ganz kostenlos, „perplex“ – die Jugendzeitschrift der NPD (vgl. www.npd-sachsen.de). Perplex? - Das heißt so viel wie verwirrt, verblüfft, betroffen. Man könnte fast froh sein, dass die Nationaldemokraten endlich so offen aussprechen, was sie wirklich sind.

Die wollen nicht helfen, nicht verbessern, nicht Probleme lösen. Die wollen Verwirrung, Aufruhr und Chaos. Dazu wollen sie verblüffen und betroffen machen. Aber wenn diese Leute die „kritischen Schüler“ gegen die „linken Spießer“ aufhetzen, die sie unterrichten, gegen die „Pauker“ mit ihrem „linksextremen 68er Schwachsinn“, dann ist energische Kritik angesagt.

Was bedeuten denn die Losungen „Jetzt Nationalen Widerstand organisieren!“ und „Mir stinken die Linken!“. Da wird nicht nur deutsche Sprache verhunzt. Da werden Probleme unseres Lebens aufgegriffen, vereinnahmt und in völlig falsche Zusammenhänge gestellt. Das ist doch Heuchelei, wenn sie predigen: „Deine Pauker wollen keinen Schüler, der nachdenkt… Da machen wir nicht mit!“.

Was heißt das? Sollen Schüler aufhören, von ihren Lehrern (und Eltern?) zu lernen? Sollen sie statt dessen die rechtsextremen Phrasen übernehmen? Wer von den „perplex“-Schreibern lernt, soll zum Beispiel glauben, dass Hitler und Heß wahre Friedenskämpfer gewesen wären (Seite 12-14).

Und der nächste praktische Schritt soll dann sein, den „Schulhof zur national befreiten Zone“ zu machen (Seite 7)!!! Perplex? Nein, perfide (hinterhältig, tückisch)!

Den Pferdefuß aber hören wir besonders beim Lesen der letzten Seite klappern. Mit dem Info-Gutschein (?) sollen sich diejenigen melden, die Mitglied der NPD (ab 16 Jahre) oder der Jungen Nationaldemokraten (ab 14 Jahre) werden möchten. Und zitiert wird dazu aus der Nationalhymne der DDR. -

Dr. G. Dietmar Rode

Radebeul

„Rechte und Linke stürmen die Börse“ ?

Sächsische Zeitung vom 21.08.2007

„Rechte und Linke stürmen die Börse“ von Torsten Oelsner

Wes Geistes Kind ist Herr Oelsner eigentlich? Da empört sich die Öffentlichkeit über Nazi-Demonstrationen und terroristischen Rechtsextremismus gegen Ausländer und Andersdenkende - und in der Sächsischen Zeitung lesen wir die dicke Überschrift „Rechte und Linke stürmen die Coswiger Börse“. Das ist mehr als ein Sturm im Wasserglas!

Die Mehrheit politisch gebildeter Bürger lehnt den Unsinn ab, politische Linke und Rechte gleichzusetzen. Keiner käme auf die Idee, die CDU gar als rechtsextreme Partei zu beschimpfen, obwohl es in ihren Reihen genügend Quertreiber gibt und die Einordnung rechts schon immer für konservative Parteien galt. Aber gegenüber der Linkspartei darf man das in der SZ. Und wenn das sogar noch mit einem Foto von einer offensichtlich stalinistischen Demonstration in Moskau illustriert wird, wirkt das besonders würzig.

Manipulation entsteht bekanntlich dadurch, dass einer z.B. ungleiche Sachverhalte gleichstellt, Erscheinungen von ihrem Wesen trennt und einseitig übertreibt, falsche Assoziationen herstellt oder wichtige Informationen weglässt. In DDR-grauen Zeiten war das schon einmal für die SZ typisch. Was aber soll das im Jahr 2007? Stümperhafte Recherche oder politische Absicht?

Herr Oelsner hätte, wenn er sich, wie von Frau Windsheimer gebeten, an den Ortsvorstand der Linkspartei gewandt hätte, mehr erfahren können. Dieser plant am 01. November 2007 eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit dem Historiker Professor Karlheinz Gräfe aus Freital durchzuführen. Zum Anlass (und nicht zur Glorifizierung) des 90. Jahrestages der Revolution in Russland soll im kleinen Saal, in dem schon oft Veranstaltungen der demokratischen Parteien in Coswig stattfanden, zeitkritisch über das historische Ereignis und seine dramatischen Folgen gesprochen werden. Da dürfte doch wohl ein kleiner Unterschied zu einem Bundesparteitag der NPD bestehen, der mit großem Klamauk in den großen Saal einziehen will? Die Linke will ihre Geschichte verarbeiten. Demokratie setzt das voraus. Die Rechte will Geschichte verschleiern und dabei nicht nur Saalschlachten gewinnen. Wehret den Anfängen! Herr Oelsner sollte darüber nachdenken, wen er hier diffamiert und wen er bagatellisiert.

Jo Rozynski

Radebeul, 22.08.07

Einladung für Donnerstag


DIE LINKE lädt ein

Am 16 Juni wurde in Berlin die neue Partei, DIE LINKE, beschlossen.

Damit gibt es nun ein starke gesamtdeutsche Partei, links von der

SPD.

Wir laden alle Genossinnen und Genossen und alle Freunde und

Sympathisanten ein zur öffentlichen Mitgliederversammlung am

Donnerstag, dem 12. Juli, 18.00 Uhr, in die Begegnungsstätte der

Volkssolidarität, Lutherstraße 4.

Die Delegierten des Parteitages, Martina Sacher (Foto 1) und Andreas Graff,

werden über den Parteitag und über Bedeutung und Inhalt der neuen

Partei berichten.

Fred Schreier, Vorsitzender

des Ortsvorstandes Coswig

Coswiger Mai - gemeinsam links von Dreck und Feuer*

Wie eine Stadt zusammenhält

In Coswig (Fotos in Farbe siehe vorigen Beitrag) trafen sich zum (nicht nur!) gemütlichen öffentlichen Beisammensein auf dem Wettinplatz, "Coswigs guter Stube im Freien" am 1. Mai 2007 bewußt zahlreiche Vertreter jener 91 Prozent Wähler, die 2004 keine Nazis gewählt hatten. Da stand die frühere CDU-Landrätin am Tresen, wo der Staatsanwalt (SPD) Getränke zapfte und nebenan schnitt die PDS-Fraktionschefin Kuchen. Im Publikum fanden sich alle demokratischen Kräfte wieder, der Platz war im besten Sinne „positiv besetzt“ – und (demonstrativ!) voll besetzt. Auf Tanzfläche und Hüpfburg tummelten sich fröhliche Kinder von Spitzgrund und anderswo. In diese wachsam-familiäre Atmosphäre kam offensichtlich gern der stellvertretende Ministerpräsident Jurk (SPD) - gemeinsam mit der stellvertretenden LINKE.PDS-Landesvorsitzenden C. Hertlein zu Besuch. Jeder konnte sehen, dass hier eine gemeinsame Maifeier von Linkspartei und SPD stattfand. Mit hoch willkommenen Gästen aus dem ganzen demokratischen Spektrum.

Ähnlich wie früher in Dresden, als auf der Schloßstraße die Infostände der PDS dicht neben den anderen standen und bis spät in den Nachmittag wissensdurstige Menschen kamen, manche nur, um sich zu überzeugen: „Ich seid noch da? – Gut so!“

Da wurde miteinander geredet und sogar Gäste aus Berlin in die Diskussion verwickelt. Keine Mitgliederversammlung, keine Demo kann solche Erinnerungen schaffen, die derart Kraft geben zum weitermachen.

Der einsame Glatzkopf, der sich in Coswig noch kurz vor Feierabend auf den Platz traute um das Andenken an die Wehrmacht zu feiern, kam einfach zu spät. Sonst hätte ihn gewiß einer von uns an die Hand genommen und über die Straße zur alten Kirche geführt, wo die toten jungen Männer aus Coswig von 1914 - 1918 aufgelistet sind, und über Ursachen und Folgen zweier Weltkriege gesprochen. In klarem Deutsch, so, wie diese Typen das brauchen und wollen. Leider kam er bissel spät, um für Heldentod zu werben. Den ganzen Tag war Leben auf dem Platz - und nun wurde aufgeräumt.



* "Spottgeburt von Dreck und Feuer" nennt Goethes Faust den Mephistopheles (Szene in Marthens Garten)

PS: Unglücklicherweise um Sekunden zu spät - nach Redaktionsschluß der "Alternative" kam dieser Beitrag bei der zuständigen Redaktion an. Nun kann er leider "nur" im WWW erscheinen. So 'n Pech aber auch ...

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