Elbland-Linke fusioniert - Die Linken schlossen sich am Sonnabend zum Kreisverband Meißen zusammen.

Von Manfred Müller
(Sächsische Zeitung, Ausgabe Großenhain, vom 24. September 2007)

Claudia Hertlein heißt die neue Vorsitzende der Linken im künftigen Großkreis Meißen. Die bisherige Chefin des Meißner Kreisverbandes war als einzige Bewerberin zur Wahl angetreten. Zum ersten Stellvertreter wurde Bernd Fischer aus Nünchritz, zur zweiten Stellvertreterin Martina Sacher aus Meißen gewählt. Der neue Kreisverband hat etwas mehr als 600 Mitglieder, von denen rund 250 aus dem Landkreis Riesa-Großenhain kommen. Mit der neuen Organisationsstruktur nahmen die Linken im Elbland bereits die Kreisreform vorweg.

Die Gesamtsmitgliederversammlung im Großenhainer Berufsbildungs- und Technologiezentrum begann mit einer Überraschung: Noch vor dem Fusionierungs-Beschluss wurde IG-Metall-Bezirkssekretär Heinz Hoffmann in die Partei aufgenommen. Der Chef der Metall-Gewerkschafter von Sachsen, Berlin und Brandenburg hat die sozialdemokratische Partei verlassen und sieht seine politische Heimat nun bei der Linken. "Die SPD ist keine Arbeitnehmerpartei mehr", begründet der prominente Gewerkschafter den Übertritt. "Der sozialliberale Kurs, den sie jetzt fährt, entfernt sie weit von ihrem Anliegen, eine Schutzmacht für die kleinen Leute zu sein." Gemeinsam mit dem Spansberger Metaller trat dessen Ehefrau Barbara Hoffmann der Linken bei. Als bisher parteilose Bürgermeisterin von Nauwalde ist sie die erste Gemeindevorsteherin, die die Linke im Elbland aufbieten kann. "Wenn Leute aus dem Ort verzweifelt zu mir kommen, um einen Ein-Euro-Job abzukriegen, dann lässt mich das nicht kalt", sagt sie. "Andere gehen zur Gröditzer Tafel, weil das Geld für die Familie nicht mehr reicht. Hartz IV ist unmöglich."

Frage nach dem Führungsstil

Die Fusionierung der beiden Kreisverbände wurde in erstaunlicher Harmonie über die Bühne gebracht. "Wir Riesa-Großenhainer hatten nicht den Ehrgeiz, auf den Vorsitz zu pochen", erklärt Vize Bernd Fischer. "Schließlich sind die Meißner von der Mitgliederzahl her die Stärkeren." Dissonanzen traten eher innerhalb der Meißner Kreisorganisation ans Tageslicht. So musste sich Claudia Hertlein von ihren Parteifreunden fragen lassen, ob sie künftig ihren Führungsstil zu ändern gedenke und ob sie von ihrem Zweitwohnsitz Dresden in die Region zurückkehren werde. Sie erhielt bei der Wahl zur Vorsitzenden auch nur 68,7 Prozent der Stimmen, was auf interne Querelen im früheren Kreisverband Meißen hindeutet. Die Stellvertreter im neuen Vorstand räumten hingegen zwischen 87 und 97 Prozent ab, die breiteste Zustimmung erhielt Geschäftsführer Harald Kühne aus Großenhain. Die Elbland-Linke wird in ihrer neuen Struktur von zwölf Ortsverbänden getragen; der Vorstand ist paritätisch mit je zehn Riesa-Großenhainern und Meißnern besetzt.

Hendrik Thalheim, der Sprecher der Bundestagsfraktion, verbreitete zum Abschluss der Fusions-Versammlung Optimismus. Die Linke habe das Land in den vergangenen Monaten stark verändert. Und zwar dadurch, dass sie die anderen Parteien zwinge, ihr soziales Gewissen wiederzuentdecken. Thalheim schwor die versammelte Mitgliederschaft auf bürgernahe politische Aktionen ein: Links sei derjenige, der sich für die sozial Schwachen einsetze.
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