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27. Januar - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus - Veranstaltung im Deutschen Bundestag am 19. Januar 1996 - Rede des Bundespräsidenten


Bulletin 06-96 23. Januar 1996 

[Auszüge - Prioritäten betreffend]

Auschwitz steht symbolhaft für millionenfachen Mord - vor allem an Juden, aber auch an anderen
Volksgruppen. Es steht für Brutalität und Unmenschlichkeit, für Verfolgung und Unterdrückung, für die in perverser Perfektion organisierte "Vernichtung" von Menschen. Die Bilder von Leichenbergen, von ermordeten Kindern, Frauen und Männern, von ausgemergelten Körpern sind so eindringlich, daß sie sich nicht nur den Überlebenden und den Befreiern unauslöschlich eingemeißelt haben, sondern auch denjenigen, die heute deren Schilderungen nachlesen oder Bilddokumente betrachten.

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An der Schwelle zum nächsten Jahrtausend ist schon das von meiner Generation Erlebte - erst recht das von den Vorfahren Erlebte - in Gefahr, in einer distanzierten Retrospektive zu verschwimmen, und die historischen Fakten drohen sich auf Jahreszahlen und Schlagworte zu reduzieren. Auch die größte Barbarei schrumpft dann zu einem anonymen Ereignis, das allmählich in ein mildes Licht nüchterner Beschreibung getaucht wird. Würden wir uns ein Auslöschen dieser Erinnerung wünschen, dann wären wir selbst die ersten Opfer einer Selbsttäuschung.

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Die Nazis hatten die Definitionsmacht zu bestimmen, wer sein Leben verwirkt hatte, und sie exekutierten ihre völlig irrationalen Festlegungen mit brutaler Konsequenz.

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Die Wirkungen dieser Politik waren vor allem deshalb so furchtbar, weil sie sich wohldosiert in das öffentliche Bewußtsein einschlichen, ja weil sie wohldosiert den Gehirnen infiltriert wurden. 

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Wir Deutschen haben mehr als andere lernen müssen, daß das absolut Unfaßbare trotz allem geschehen kann. Die Erinnerung hat es uns aber auch erleichtert, daraus die Lehre zu ziehen, und am klarsten ist diese Lehre in Artikel 1 unseres Grundgesetzes formuliert: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Der Satz kennt keine Relativierung.

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Gedenkstunden allein nehmen nur allzuleicht den Charakter von Pflichtübungen und Alibiveranstaltungen an, und darum kann es nicht gehen. Die Bürger unseres Landes sollen wenigstens einmal im Jahr selbst über das Geschehene nachdenken und vor allem über die Folgerungen, die daraus zu ziehen sind. Das wäre mein wichtigster Wunsch. Ganz besonders wichtig aber ist es, unsere jungen Menschen zu erreichen und ihren Blick für - möglicherweise - kommende Gefahren zu schärfen.

Einladung zum Gedenken am 27. Januar 2024

Die Fraktionen des Coswiger Stadtrates laden interessierte Bürgerinnen und Bürger zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ein.


Treff ist am Sonnabend, 27. Januar 2024 um 10 Uhr am Gedenkstein Bahnhofstraße. Wir gehen gemeinsam zur Gedenktafel an der Leonhard-Frank-Oberschule bis zum Gedenkstein an der Karrasburg.

Die Gedenkansprache hält Stadtrat Thomas Werner-Neubauer von der Fraktion „Bündnis für ein nachhaltiges Coswig“.

Die Fraktionen des Stadtrates
der Großen Kreisstadt Coswig

Ein - vor allem geistig -- gesundes neues Jahr!

 Mit Grüßen aus Pirna?

Wir sehen hier ein paar Leute (aus dem ländlichen Raum), die in bester Absicht und mit reinem Herzen den neuen Erlösern zujubeln. Der Film entstand 1972 und war der DEFA eine eigene DDR-Synchronisation wert, womit die Bürger sich 1973 gut informieren konnten.



Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.1.2022 - wie war es?


Kreis- und Stadträtin a.D.
Dagmar Gorek las aus
"365 Briefe eines Jahrhunderts"
Große Beteiligung

Corona zum Trotz erschienen 25 bis 30  Coswiger -- selbstverständlich unter strikter Berücksichtigung der gesetzlichen Hygienemaßnahmen - am Gedenkstein in der Bahnhofstraße.

Traditionsgemäß lief nach dem Gedenken die Masse der Teilnehmer noch die Stationen an der Gedenktafel Rudolf-Leonhard-Oberschule und den Gedenkstein an der Karrasburg ab, wo bereits das Gebinde der Stadtverwaltung durch Oberbürgermeister  Thomas Schubert in aller Stille niedergelegt worden war. Auch an diesen beiden Orten gedachten die Teilnehmer der Opfer von Tyrannei und Gewaltherrschaft - auch durch Niederlegen von Blumen.

Dr. Bernhard Mossner,
Vorsitzender der Fraktion
"Bürger für ein nachhaltiges Coswig"

Ansprache des Vorsitzenden der Fraktion "Bürger für ein nachhaltiges Coswig"

 Meine Damen und Herren, liebe Freunde,
am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee von den Nazischergen befreit. Seit 1996 wird an diesem Tag in Deutschland der europäischen Juden, der Sinti und Roma, der Millionen verschleppter Slawen, der Zwangsarbeiter, der Homosexuellen, der politischen Gefangenen, der Zeugen Jehovas, der Kranken und Behinderten gedacht. Wir erinnern uns der Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns und Völkermordes und der Millionen Menschen, die durch das Hitlerregime entrechtet, verfolgt, gequält oder ermordet wurden. 

Vor achtzig Jahren fand in Berlin die Wannsee-Konferenz statt, der Völkermord an den Juden als sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ wurde in bis dahin unvorstellbarer Weise systematisch geplant und organisiert. 

Was bedeutet es uns heute, wenn wir auf diese schlimme Zeit zurückschauen? Fragen wir uns, ob genug getan wird, damit so etwas in unserem Land niemals wieder geschehen kann? Vielleicht bewegt Sie die Frage, wie derart Schreckliches in den Jahren 1933 bis 45 überhaupt passieren konnte? 

Der Journalist Sebastian Haffner schätzte im Jahr 1939 die Haltung der deutschen Bevölkerung zahlenmäßig: 20 Prozent seien Nazis gewesen, 40 % verhielten sich loyal zum Naziregime, 35 % waren stumme Gegner der Nazis und knapp 5 Prozent bildeten die Opposition, die härtester Verfolgung ausgesetzt war. Immerhin ein Fünftel der deutschen Bevölkerung hatte sich zur Gefolgschaft Hiters verführen lassen. Das war durch die Folgen des I. Weltkriegs begünstigt: durch Zerrüttung vieler Familien und des Familienzusammenhalts, durch die Weltwirtschaftskrise und vielleicht auch durch Orientierungslosigkeit in der sehr liberalen Weimarer Republik. 

Für uns heutige ergibt sich daraus die Aufgabe, unsere Demokratie funktionsfähig und lebendig zu erhalten, so dass sie trotz mancher Schwächen für die Menschen im Land attraktiv bleibt. Wir müssen uns gebraucht fühlen, eine Aufgabe auch jenseits des Arbeitslebens finden und ausfüllen, durch Zusammenwirken mit Anderen Selbstwirksamkeit und kleine Erfolge spüren. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig. 

Das Engagement in politischen Organisationen ist wichtig, damit eine möglichst breite Basis der Bevölkerung an der politischen Willensbildung beteiligt wird. Das lässt sich auf kommunaler Ebene am leichtesten in die Tat umsetzen, gibt es doch zahlreiche Angebote der Bürgerbeteiligung. In Sport-, Kultur- und Freizeitvereinen wird eine sehr gute Arbeit geleistet, man kann sich ohne Hürden einbringen und Geselligkeit, neue Impulse und Glückserlebnisse gewinnen. Ein intaktes Familienleben, intensive Kontakte über Generationen hinweg stabilisieren junge Menschen und zeigen verschiedene Perspektiven auf. 

Also – Großeltern und Enkel sollten sich mehr miteinander beschäftigen. Grundlegende Bedeutung aber haben Bildung und Erziehung – und das für Junge und Alte gleichermaßen. Eine interessante Schulbildung bietet jede Menge Anregungen, wie will man den heutigen Gedenktag ohne Geschichtskenntnisse verstehen? Wie will man sich ohne ständige Information aus soliden Quellen (seriöse Tageszeitung, öffentlicher Rundfunk usw.) als Wählerin an der Demokratie beteiligen? Und es ist keineswegs wirkungslos, bei welcher Partei man sein Kreuzchen setzt. 

Auch wennder Einfluss der Großkonzerne auf die deutsche Politik sehr stark ist, unterscheidet sich die praktische Politik der großen Parteien deutlich. Forderungen wie ein höherer Mindestlohn, mehr Tariftreue in Unternehmen und stabile Rente und stabiles Renteneintrittsalter sind wichtig, damit sich Menschen nicht zurückgelassen fühlen. 

Zum Thema Bildung gehört auch, die Ergebnisse der Wissenschaft ernst zu nehmen. Wenn man Meinungen gegen wissenschaftlich überprüfte Tatsachen stellt, wird eine gute Entwicklung der Gesellschaft gefährdet. Der Apfel fällt nun mal nicht nach oben, das müssen wir akzeptieren. Ohne die Fakten zu berücksichtigen, kann man keine solidarische Gesellschaft gestalten. Es ist unumgänglich,  dass wir an das Wohl unserer Mitmenschen denken. Etwa an diejenigen, deren dringend nötige Operationen wegen mit ungeimpften Coronapatienten überfüllter Intensivstationen nicht durchgeführt werden können, das bedeutet zusätzliche Opfer an Menschenleben. 

Kehren wir zum Ausgangspunkt zurück: Natürlich bleibt es unsere dauernde Aufgabe, gegen rechtes Gedankengut und rechte Bestrebungen aufzutreten. Sich an Demonstrationen beteiligen, die von Rechtsradikalen unterwandert sind – darf man das? Wir wollen einander zuhören, aber auch die Kraft der Argumente einsetzen. Bemühen wir uns gemeinsam um gelebte Menschlichkeit und eine lebendige
Demokratie. 

Im Gedenken an die Opfer von Faschismus und Krieg legen wir dieses Gebinde im Namen der Bürgerschaft der Stadt Coswig nieder. Ich bitte Sie um eine Minute des stillen Innehaltens.


 


 

Gedenktag am 27. Januar 2022

 

Die "Fraktion Bündnis für ein nachhaltiges Coswig" im Coswiger Stadtrat lädt ein




Die Fraktion BnC lädt am 27. Januar um 16 Uhr zum öffentlichen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus an den Gedenkstein Bahnhofstr. ein.


Der Zeitpunkt geht auf die Anregung von Thomas W.-N. zurück, damit Arbeitende teilnehmen können.

 

 

 

Dazu heißt es aus der Stadtverwaltung:

"Die Fraktionen des Coswiger Stadtrates hatten sich in früheren Jahren darauf geeinigt, den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar zusammen zu begehen.
- 2021 -

Pandemiebedingt ist jedoch - wie schon 2021 - die gemeinsame Veranstaltung mit interessierten Bürgern am Gedenkstein an der Bahnhofstraße, der Tafel an der Leonhard-Frank-Oberschule und am Gedenkstein an der Karrasburg nicht angezeigt.

Die Parteien oder Bürger, die die Opfer auf ihre Weise ehren möchten, werden das auch in diesem Jahr allein tun.

Oberbürgermeister Thomas Schubert wird in aller Stille ein Blumengebinde am Gedenkstein Karrasburg niederlegen."

- 2013 -

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