Dienstag, 6. Juni 2006

Die Mittelschule - ein Auslaufmodell?


Auf der Grundlage des sächsischen Schulsystems werden in den Mittelschulen die Kinder von der 5. bis zur 10. Klasse unterrichtet.

In den letzten Jahren mussten viele Mittelschulen geschlossen werden, weil ihnen die notwendigen Schüler fehlten. Die Prophezeiungen des Regionalschulamtes Dresden sprechen vom gravierenden Rückgang der Schülerzahlen im Landkreis Meißen. Während man im Schuljahr 2004/05 mit 4 807 Jungen und Mädchen an den Mittelschulen arbeitete, werden es im Lernjahr 2006/07 voraussichtlich noch 3 640 sein.

Im Zusammenwirken mit Nebenbestimmungen und Verwaltungsvorschriften zur Bedarfsberechnung für die Unterrichtsversorgung führen die vom Kultusministerium erlassenen Richtwerte zur Klassenbildung zum weiteren Schulsterben in Sachsen. In Dresden bleibt es vorerst bei fünf Mittelschulen, die im bevorstehenden Schuljahr 2006/07 keine fünfte Klasse bilden dürfen. Weitere 30 Mittelschulen müssen im Laufe der nächsten drei Jahre sachsenweit geschlossen werden.

Es wirken aber noch andere Faktoren, die unmittelbar mit dem Lernen zusammenhängen.

Nach vier Jahren Grundschule erhalten die Schüler Sachsens ihre Bildungsempfehlung für eine weiterführende Schule. Hier entscheidet sich, ob sie eine Mittelschule, oder ein Gymnasium besuchen werden.

Durch die neuerlich gelockerten Zugangsbestimmungen zum Gymnasium erfolgt dabei ein weiterer Aderlass der Mittelschulen.

Wenn es nach der 4. Klasse um die Entscheidung des einzuschlagenden Bildungsweges geht, entscheiden sich 50 % der ehemaligen Grundschüler für einen solchen jenseits vom „Mittelmaß“ zum Abitur.

Arbeitet sich hier zu Tode, was sowieso keine Zukunft hat?

Schauen wir mal nach Bayern! Dort werden die Kinder nach der 4. Klasse in Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten getrennt.

Stress und tränenreiche Entscheidungen gehen damit einher, denn viele Schüler schaffen den Sprung zur Realschule nicht. Nur ein Drittel der Grundschüler Bayerns mit Migrationshintergrund erreicht den für diese Schulart, oder ein Gymnasium erforderlichen Notendurchschnitt. Die Mehrheit (2/3) von ihnen muss die Hauptschule besuchen.

Man kann also feststellen, dass die Verflüchtigung der Mittelschüler/Realschüler in den neuen und alten Bundesländern in zwei entgegengesetzten Richtungen erfolgt!

Die jüngsten Ereignisse in der Berliner „Rütli – Schule“ veranlassen uns alle, über die Zweckmäßigkeit einer frühen Selektion nachzudenken. Eine Weichenstellung für das Leben bereits in der 4. Klasse ist viel zu früh und geht nur in den wenigsten Fällen auf.

Dagmar Gorek

Stadträtin (Coswig)

Kreisrätin (Meißen)

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